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Die Entführung aus dem Serail – heiter und tiefsinnig

01.12.2016 12:59

Die Regisseurin der Oper, Katariina Lahti, hat sich zum Ziel gesetzt, dass die Zuschauer die Burg Olavinlinna nach der Aufführung beschwingten Schrittes verlassen.

Lahti findet, dass es sich bei Wolfgang Amadeus Mozarts Durchbruchsoper um vieles mehr als nur um ein humoristisches und harmloses Piratenabenteuer handelt.
”Es war verblüffend für mich zu entdecken, welchen unglaublichen Reichtum das Werk durch seine Charaktere und deren zwischenmenschliche Beziehungen aufweist. Man wird plötzlich mit sehr elementaren Dingen konfrontiert”, staunt Lahti.
”Der Tenor des Werks ist dennoch erdverbunden und positiv.”
Mozart hat seine Oper gezielt auf das Exotik und bunte Unterhaltung liebende Wiener Publikum hin komponiert. Neben Humor und Heiterkeit besitzt das Werk auch eine weitere, tiefere Ebene - das Gefühlslabyrinth der Charaktere.
”Die Entführung findet in Wirklichkeit nicht in Bassa Selims Palast, sondern in dem widerspruchsvollen Gefühlswirrwarr der Charaktere statt, und davon erzählt auch die Musik. Mit dieser Oper hat Mozart, indem er die aus dem Volkstheater bekannten charakteristischen Figuren durch reale Charaktere ersetzte, die Definition vom Theater neu mitgestaltet.”
In der Oper Die Entführung aus dem Serail vermischen sich Volkstümlichkeit und  gehobener Anspruch. Deutlich erkennbar schwingt ebenfalls die Idee der Aufklärung und der Gleichberechtigung mit, in deren Geiste Mozart hier die Beziehung zwischen der österreichischen und der türkischen Kultur darstellt.
”Er vertritt den europäischen Standpunkt, macht den türkischen Bassa zugleich zu einem Helden mit humanistischer Anschauung und stellt die beiden Kulturen mit ihren Eigentümlichkeiten und ehrenwerten Merkmalen gleichberechtigt dar”, sagt Lahti.
”Das ist ein elementarer Punkt für eine Interpretation, in der man heute unwillkürlich  Stellung zur Koexistenz und zum Dialog verschiedener Kulturen nehmen muss. Ich selbst will in meiner Inszenierung den Humanismus von Mozart hervorheben."

Königsdisziplin des Regisseurs
Lahti bereitet das Inszenieren von Opern ein großes Vergnügen, insbesondere aufgrund der energetisierenden Wirkung von Musik. Für einen Regisseur ist die Oper eine Königsdisziplin, in der er technisch und interpretatorisch sein ganzes Können in die Inszenierung einfließen lassen kann.
”Die Musik ist die Seele der Oper, und die Aufgabe des Regisseurs ist es, ihre  Geschichte zu erzählen.”
Die Menschen in Finnland kommen häufig in die Oper, um eine neue Geschichte zu sehen, während man im deutschsprachigen Raum in die Oper geht, um eine neue Inszenierung bekannter Opern zu sehen.
”Für den Großteil des Publikums wird die Aufführung bei den Opernfestspielen 2017 in Savonlinna die erste Begegnung mit dieser Oper sein. Aus diesem Grund ist es essenziell, dass die Inszenierung die Geschichte erkennbar vermittelt, da wir nicht davon ausgehen können, dass das Werk bereits vielen Besuchern vertraut ist.”